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NEWS

05 Nov 2013. Long overdue and too much to tell. Sadly, H7.15 will close forever end of this year. The decision was not ours. Our inept landlord has once again created a royal mess through his sub-standard handyman skills. Now we all have to bear the cost of this blundering moron's actions.

HEEG: MALEREI

Stadtgalerie E5, Stefanie Müller am 13. Februar 2008 zur Eröffnung
Mannheim, Germany

Allem voran ist auch Joseph Heeg ein vielfältig angelegter Künstler: Musik, Texte schreiben, Performance, Objektkunst, Malerei gehören zu seinem künstlerischen Repertoire, wobei letzteres aktuell wohl den größten Raum in seinem Schaffen einnimmt. Seine Gemälde kann man getrost als „moderne Klassiker“ bezeichnen, die so direkt und zugleich traditionell daherkommen, die in ihrem Charakter Emotionales und Rationales reflektieren, in ihrer Komplexität aus dem breiten Fundus der Kunst- und Zeitgeschichte schöpfen. Das motivische Spektrum seiner expressiv realistischen Ölmalerei reicht von der Historie unseres Polit- und Kulturerbes, über Porträts bis zu Landschaften und Stilleben: Das 50er Jahre Pin-up-Girl Betty Page in lasziver Sado-Maso-Pose neben dynamisch düsteren Militärflugzeugen, Ex-US-Präsident Richard Nixon neben lichtdurchfluteten Gebirgsansichten - darin wird die Bandbreite seiner Arbeit deutlich.

Heegs koloristische Malerei ist eine intuitive und zugleich zielbewusste, auf der Suche nach überdauerndem `content` und umgreifender Relevanz. Malerei und Fotografie stehen bei ihm in untrennbarer Synthese. Fotografien als Vorlagen für seine Gemälde einzusetzen, gehört dabei zu seinem künstlerischen Prinzip, ein Verfahren, das Unschärfe und Detailverlust bewusst als Technik einkalkuliert. Die hier präsentierten Gemälde, scheinen auf den ersten Blick in ihrer Perfektion abzubilden, imitieren bei näherer Betrachtung jedoch niemals fotorealistisch, sondern

erzeugen ambivalente „Nachbilder“. Es handelt sich um brisante wie triviale Motive unseres Medienzeitalters, ein Puzzle aus vorgefundenen Zeitungs- und Internetbildern, persönlich oder politisch motivierte stills aus Fernsehen, Film, Reportage. Gegenstand der Abmalungen sind Allerwelts-Fotos sowie eigene „Schnappschüsse“, die er malerisch reproduziert, vergrößert (wie die Serie der US Dollar-Scheine), überwiegend in gedämpften Farben, in schwarz-weiß auf die Leinwand überträgt und damit übersteigert.

Seine Methode ist oft durch eine verwischt wirkende Unschärfe gekennzeichnet, die den Realismus der Vorlagen absichtsvoll unterwandert, Details eliminiert, den perfekt schönen Akademismus-Schein tilgt – bis hin zu Ansichten, denen kaum noch Bezüge zur fotografierten Wirklichkeit anzusehen sind, wie in seiner Serie der Drive-Bys: aus dem fahrendem Auto fixierte Aufnahmen von verschwimmenden Tankstellen oder Landschaften. Eine Verfremdungstechnik, die zwangsläufig an die Unschärfe-Bilder Gerhard Richters aus den 60er und 70er Jahren denken lässt, der die Benutzung von Fotografien, von der Pop-Art angeregt, in der Kunst etablierte. Über die unscharfe Darstellung hinaus, zieht Heeg Furchen und Schlieren über die Oberfläche, kratzt in die Malfläche hinein, ein zusätzliches Mittel, wie distortions in der Musik, erklärt er, um jeden „Perfektionismus“ zu vermeiden.

Andere Gemälde erschließen sich dem Betrachter vielleicht erst dann, wenn ihm der Background bekannt ist, sei er persönlicher Film-Neigung, wie im Blutarsky-Porträt alias John Belushi aus dem Film Animal House oder im bereits erwähnten Playmate Betty, deren Titelzusatz Onkel Rudi (meets my aunt Betty) doch unwillkürlich auf das bekannte Richter-Gemälde von 1965 rekurriert.

Mit den Gemälden aus der TV-Serie von 2007 eignet sich Heeg die Historienmalerei an und reflektiert mit Nachbildungen von epochalen Ereignissen oder Persönlichkeiten der Vietnam-Ära, wie das Nixonbildnis, Abbildungen von Boings oder jüngeren Black Hawks, aus fast 40-jähriger Distanz eine traumatisierende Phase der amerikanischen Geschichte - ohne offenkundig kritisch Position zu beziehen.

Denn überaus kontrastreich steht solchen Gemälden die Serie reiner Landschaften gegenüber: die Alpen, in ein beinahe kitschig-heroisches Lichtszenario getaucht. Doch sind es auch hier bei näherer Betrachtung keine illusionistischen Naturdarstellungen, sondern Gemälde großer malerischer Abstraktion. Ein Kult-Motiv aus dem klassischen Malereifundus, dem die allzu leicht verdauliche Ästhetik abhanden geht, wenn mehrdeutige Schriftzeichen wie you make me stoopit aus spontanem Gestaltungswillen auf den Bergketten ranken. Es geht ihm hier um die mit den Augen wahrgenommene, mit der Kamera fotografierte Erhabenheit der Natur, das Verlangen es noch einmal zu malen, in die absichtsvoll inszenierte Realität der Malerei zu übersetzen.

GAP - engl. für Leerstelle oder Abkürzung für Garmisch-Patenkirchen? - eine weitere Werkgruppe mit alpinen Bergzügen, in der Fotovorlage gespiegelt in Soldatenporträts, die sich im Malprozess unterordnen mussten. Scheint es eine Aneinanderreihung einzelner, voneinander unabhängiger Werkgruppen zu sein, funktionieren sie nach dem gleichen Prinzip, haben die Bearbeitungsweise gemeinsam. Malerei, die das Medium Fotografie noch zu erkennen gibt, sich gleichzeitig durch Unschärfe und Farbreduktion auszeichnet, die das Motiv entrückt und präsenter erscheinen lässt. Damit wird die Unschärfe zum Bildthema gemacht, vielmehr die Malerei selbst zum Gegenstand der Malerei. Doch kommt beim Übertragen von einem in das andere Medium etwas hinzu, wird

etwas neu interpretiert: Bilder, die eine zeitgenössische Dimension in bezug auf die Bewahrung historischer Ereignisse im kollektiven Gedächtnis implizieren. Führt doch Heegs ästhetische Unschärfe den 'Alterungsprozeß' des Gedankenguts vor Augen, indem die Erinnerung an vergangene Ereignisse, wie seine Fotovorlagen, zunehmend 'unschärfer' wird, gleichzeitig aber auch Raum für neue Zugänge und Verständnismöglichkeiten bietet. Die zentrale Bedeutung, die der Zirkulation von Bildern und ihrer Reproduktion in der gegenwärtigen Mediengesellschaft zukommt, wird ebenso angerissen, wie die Frage nach Möglichkeiten und Bedingungen eines individuellen künstlerischen Ausdrucks im Kontext der Schlüsselthemen von Kunst. Unverkennbar sind Heegs Wurzeln in den USA und im amerikanischen Realismus zu suchen oder bei den hiesigen Maler-Ahnen Richter und Kippenberger.

Joseph Heegs Malerei ist vielschichtig, in historischer, politischer und ästhetischer Hinsicht. Dabei kritisiert er nicht, er gibt persönliche Statements ab, wirft einen ironischen Blick auf Realitäten, die neu gesehen und bewertet werden: auf den „american way of life“, auf scheinbar unveränderliche Begebenheiten – z.B. in bezug auf die US-Kriegspolitik - auf Konsum- und Fernsehgesellschaft, auf ganz private Helden und auf unsere Auffassung von Kunst.

Die vielfältige Befragung kollektiver Bilder in Transformation von Fotografie in Malerei und umgekehrt sowie die Frage nach ihrem Verhältnis zur Wirklichkeit tangiert beide hier ausgestellten Künstler. Anhand der Werkgruppen von Heeg und Klotter werden verschiedene Ansätze und Themen aufgefächert, die deutlich machen, wie Malerei und Fotografie in ihren Abhängigkeiten jeweils eine eigenständige Bildwelt und Ästhetik entwickelt haben.

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